Die Anregung zu einem Stadtteil-Treffpunkt am Kindergarten am Ende der Bodelschwinghstraße mit einer Sitzgruppe mit dem Namen „Freistuhl zu Biest“ geht auf das Jahr 2001 zurück, als Hermann Hentschel als Leiter des damaligen Arbeitskreises Stadtgeschichte die Radfahrergruppe des Vereins Alt Lemgo bei einer Rastpause über diesen geschichtsträchtigen Ort informierte. In Kooperation des Vereins Alt Lemgo mit der Stadt Lemgo, den Stadtwerken Lemgo als Grundeigentümerin und dem Träger des Kindergartens wurde das Konzept einer hölzernen Sitzgruppe mit Tisch unter einer neu gepflanzten Linde entwickelt und mit der Einweihung dieses symbolischen Freistuhls im Juli 2004 verwirklicht.
Nach mehr als 20 Jahren ist diese Sitzgruppe in die Jahre gekommen und muss aus sicherheitstechnischen Gründen erneuert werden. Dazu hat der Verein in Zusammenarbeit mit der Stadt Lemgo und den anderen Beteiligten eine Förderung beantragt, die noch in diesem Jahr hoffentlich zu einer Erneuerung dieser Sitzgruppe führen wird. Denn der Verein hofft, dass diese Sitzgruppe, am Eingang des Kindergartens gelegen, weiterhin zum Verweilen einlädt und weiterhin ein beliebter Treffpunkt für jung und alt bleiben wird.
Doch was war der Freistuhl zu Biest?
Im Bereich der Lemgoer Südstadt lag in der Laubke die mittelalterliche Ortschaft Biest mit mehreren Höfen, die am Ende des Mittelalters wüst fielen. Hier befand sich im Mittelalter ein Freigericht, auch Freistuhl oder Femegericht genannt. Im Gegensatz zu den Gogerichten, die für kleinere Vergehen zuständig waren, wurde an den Freigerichten über schwere Vergehen und Bluttaten Recht gesprochen. Auch wurden hier Rechtsgeschäfte abgeschlossen und beurkundet. Letztmalig erwähnt wurde der Freistuhl zu Biest 1533. Auf die damalige Lage verweist noch der Name des Flurstücks „Auf dem freien Stuhl“, heute im Umfeld der Bodelschwinghstraße gelegen. Nähere Informationen finden sich im Heft Nr. 31 (2004) der Reihe der Gelben Hefte des Vereins unter dem Titel „Der Freistuhl zu Biest“ von Günter Rhiemeier.

Vemegericht aus dem 15. Jahrhundert (StadtarchivSoest)